hat diesen Text produziert. Enjoy.
Juni 2008
28 Juni, 2008
27 Juni, 2008
ist es auch in Australien kalt und dunkel. In wenigen Tagen wird sich mein Körper wieder an die andere Jahreszeit und die Zeitumstellung gewöhnt haben und ich darf wieder länger im Bett bleiben.
Nachdem ich gestern unsere Lebensmittelvorräte überprüft habe, habe ich festgestellt, dass ich vermutlich bis zum Ende des Jahres nicht mehr einkaufen gehen muss. Sofern wir uns nur von Erdnussbutter, Chips, Minikeksen, Fertigsaucen und 1250 Gramm Kaffee ernähren wollen.
Ich sehe schon, dass Besorgen von Nahrung muss ich wieder übernehmen. John scheint vor lauter Langeweile einkaufen gewesen zu sein, hatte sich hin- und wieder auf einen Einkaufszettel aufgeschrieben, was er auf keinen Fall (Ernussbutter, Chips, Minikekse, Fertigsaucen, Kaffee) mitbringen muss, den Zettel jedoch regelmäßig zu Hause vergessen. Wäre ja nicht so tragisch, wenn ich Erdnussbutter essen würde, den Fettgehalt von Chips nicht kennen würde und Fertigsaucen nur in Notfällen (Einfallslosigkeit und Desinteresse beim kochen) benutzen würde. Nur den Kaffee kann ich gut gebrauchen - besonders um diese ungöttliche Uhrzeit.
Er hat aber noch ein paar nützliche Einkäufe getätigt. Wir sind jetzt stolze Besitzer eines Riesen-Grills und eines mexikanischen Ofens. Oder wie die Dinger heißen…diese Dinger aus Ton, die man sich auf die Terrasse stellen kann und in denen man Holzkohle oder Holz verbrennen kann. Ich denke zum Wochenende hin ist grillen und ins Feuer gucken angesagt.
Ein bisschen habe ich das Gefühl einige meiner Moleküle befinden sich noch zwischen Dubai und Singapur, die Gedanken kreisen - um das, was ich zurück gelassen habe und um das, was die Zukunft bringt.
24 Juni, 2008
Meine Zeit hier ist abgelaufen, schneller als mir am Ende lieb war. Mittlerweile hätte ich nichts dagegen einfach hier hocken zu bleiben, Sprache, Natur und Familienbande genießen. Zum Friedhof werde ich wohl nicht mehr kommen, Jaime meinte, nö da sind ja nur lauter Tote. Dabei ist es ein wunderschöner parkähnlicher Friedhof…tja aber egal, was soll man da auch immer rumkriechen. Konzentriere ich mich auf die Lebenden.
Zwischendurch bin ich immer wieder aufgeregt, geht soweit, dass mir leicht übel wird. Geht mir aber immer so vor dem Marathonflug, ein schlechtes Omen ist es deshalb nicht. Soeben habe ich mich online eingecheckt und einen Fensterplatz ergattert. Aber auch nur bis nach Dubai, für den Rest des Fluges konnte ich mich noch nicht einchecken. Koffer sind zum Teil gepackt und wie immer zittere ich vor dem Abwiegen des Gepäcks am Schalter. Bislang hatte ich immer tüchtig Übergepäck, musste aber nie dafür zahlen.
Zum letzten Mal heute ne Pommes Mayo gegessen, langsam kommt mir das Zeug aus den Ohren raus. Dafür haben wir aber am Samstag lecker italienisch gefuttert und anschließend noch ordentlich einen gepichelt. Nicht so schlimm wie die deutsch-russischen Mitbürger, die stundenlang auf der Straße ihren Sieg über Holland gefeiert hatten. Ein Russe war so betrunken, dass es zwei erwachsene Kerle benötigt hatte, ihn ins Auto zu verfrachten. Vorher hatte er sich noch - klong - kräftig die Birne an einem fremden Auto auf dem Parkplatz gestoßen - was auch irgendwie lustig für uns war. Unterhaltsamer, als das besoffene hin- und her schwanken, das er uns vorher geboten hatte - zwei Schritte nach vorne, einen zur Seite, rechtes Bein schnell-langsam nach hinten setzen, damit man doch nicht den Boden küsst, Oberkörperschwanken zum Ausgleich, drei schnelle Trippelschritte nach vorne, schwankender Oberkörper, rechte Hand zieht Handy aus der Tasche, um das Ganze noch einige Male zu wiederholen.
Ich frage mich ja immer, wie ein Mensch so viel Alkohol intus haben kann und nicht im Koma liegt. Ich wäre schon fünf Mal tot gewesen, vertrage einfach nichts mehr.
Ich freue mich auf meine Männer, mein eigenes Bett, mein Auto, Computer und vor allem auf meinen Kleiderschrank. Ganz besonders freue ich mich aber darauf den Jaime endlich mal von den Hacken zu haben - hallelujah - ich glaube ich schließe mich für eine Woche in meinem Arbeitszimmer ein. Das Kind ist anstrengend.
Herzlichen Dank an meine Familie, besonders an meine Mutter, die mir erst den langen Aufenthalt hier ermöglicht hat, an John, der der großzügigste Mann ist mit dem ich jemals Tisch und Bett geteilt habe. Schwester und Schwager, die mich immer vom Flughafen abholen und wieder weg bringen. An Kerstin, die mir ein paar tolle Wintersocken gestrickt hat. Hab mich riesig darüber gefreut. Tante, Onkel und Cousine. Dank dir Andrea für die vielen schönen Ketten. An Gabi, mit der ich keinen regelmäßigen Kontakt habe, aber immer wenn ich hier bin wieder dort anknüpfen kann, wo wir aufgehört haben. Dafür bin ich dankbar - man verliert so viele Kontakte, wenn man geht.
So, ich hoffe ich komme hier trockenen Auges wech. Es ist ja nichts gegen Abschiedstränen zu sagen, aber wenn ich anfange, kann ich nicht wieder aufhören zu weinen und das gibt dann eine schrecklich unschöne rote Nase und dicke Augen ![]()
20 Juni, 2008
Falls mir jemand sagen kann, was Rakne äh bedeutet, wäre ich sehr dankbar. Jedes Mal, wenn ich in Dubai auf dem Flughafen herumlungere, kommt diese Durchsage. Ich habe die Qual der Wahl…mmh Flugsteig, Flug, Nummer, Achtung, Abflug…aber ich würd’s gerne ganz genau wissen - inshallah.
Was dort ja auch nervt, sind die vielen Leute, die sich vor den Sitzplätzen auf den Fußboden legen, um ein wenig zu schlafen. Supa - da findet man keinen freien Sitzplatz, weil man nicht über fremde Menschen hinweg steigen will und ich glaube die wollen ihre Körper auch gar nicht so gerne als Ablage für meine müden Füße zur Verfügung stellen.
20 Juni, 2008
und ausgerechnet einen dieser wertvollen Nachmittage habe ich in Holland im Schwimmbad verbracht. Zu viele holländische Schulkinder können auf die Nerven gehen. Andererseits können die auch nix dafür, dass ich heute extrem schlechte Laune habe. Die holländische Sprache, das ist mir heute wieder aufgefallen, ist keine, die ich jemals erlernen möchte - also nee echt nicht.
13 Juni, 2008
hieß es immer im Kreise der Familie meines Onkels, wenn seine Mutter darüber nachdachte doch eines Tages ins Altenheim zu gehen.
“Mutter! Was redest du denn da? Martha war noch keine 24 Stunden in dem Heim, da ist sie gestorben.”
12 Juni, 2008
sind eine heikle Sache, wenn jemand eine Kurzgeschichte von mir liest und meint mindestens drei Personen aus dem unmittelbaren Verwandtenkreis zu erkennen. Ich habe jedoch nur eine Person als Vorbild genommen, die schon längst verstorben ist. Zum Glückhaben Leserin und Autorin Humor und sonst weiß es ja niemand
12 Juni, 2008
ein Ingenieurstudium absolviert haben muss, dann macht mich das fuchsteufelswild. Besonders, wenn mein Magen durchhängt und ich mich doof und dämlich fummeln muss und das Ding dann trotzdem nicht funktioniert. Und gereinigt werden muss, obwohl es nicht seine Pflicht getan hat. Ich war mal mit einem Ingenieur verheiratet, aber das nützt mir auch nix. War ohnehin so eine überflüssige Ehe. Dass ausgerechnet dieses Wunderwerk einer Küchenmaschine mich daran erinnern muss, wo ich das doch in all den Jahren so erfolgreich aus meinem Gedächtnis gestrichen hatte, ist bitter.
10 Juni, 2008
So lautet meine imaginäre Schlagzeile, nachdem sich das wütende Pochen meiner Halsschlagader wieder auf ein Normalherzschlagniveau heruntergepocht hat - nach gefühlten 2 Tagen.
Jaime geht gerne bei uns ums Eck mit den Spielkameraden in den kleinen überschaubaren öffentlichen Wald. Und dann rennen und toben sie, mal auf dem Spielplatz, mal auf den Wegen, prökeln mit Stöckchen, Stöckern und dicken Knüppeln (er hat da schon eine tüchtige Sammlung bei Omma deponiert) im Unterholz herum. Eben so, wie Kinder aufwachsen sollten, wenn sie später nicht zur Ergotherapeutin gehen möchten oder zum Psychologen, um nach 50 Therapiestunden gesagt zu bekommen - Mutti ist an allem Schuld, weil die so klammeraffig war.
Gestern hat er den Schreck seines Lebens bekommen. Ein fieser alter Opa mit hässlichen gelben dicken Zehnägeln schlich sich an ihn und seinen Freund von hinten heran, griff beiden Kindern absichtlich fest und schmerzhaft ans Handgelenk, hielt sie fest und pöbelte sie an. Wegen des Schlagens im Unterholz und weil ihm vermutlich 1933 jemand ins Gehirn geschissen hat. Auch schön, wenn Erwachsene so schwach sind, sich an Kinder zu vergreifen. Das hätte ich sehen müsssen, dem Opa hätten die Ohren noch Stunden später geklingelt. Wenn ich den erwische…
Ich halte nicht grundsätzlich zu meinen Kindern und wenn sie Mist bauen, müssen sie sich auch etwas sagen lassen - aber dass fremde Menschen meine Kinder anfassen, das geht nicht. Im Übrigen habe ich nie verstanden, warum manche Leute meinen mit Kindern könnte man nicht nur so umgehen, nein sie lernen auch fürs Leben, wenn man ihnen weh tut oder Angst einjagd. Ich weiß, was man dadurch fürs Leben lernt - man kriegt einen Ekel an ältere selbstgefällige und selbstgerechte alte Säcke und dieser Ekel legt sich nie, egal wie alt man inzwischen geworden ist.
10 Juni, 2008
sind die zwei 18-Jährigen Bubis aus der Sendung Auf und davon (Vox), die für ein Jahr nach Australien gegangen sind. Den einen von ihnen habe ich noch nie lächeln, grinsen oder gar - Gott bewahre - lachen sehen. Aber wenn man von tuten und blasen keine Ahnung hat, hat man auch nix zu lachen. Auch gleich 2x den Zug zu verpassen und jeweils eine Stunde auf den nächsten zu warten, kann einem das Lächeln bereits im Ansatz von den Lippen wischen. Herrlich, ich habe schon so über die beiden gelacht. Gleich geht Benni zum ersten Mal Probearbeiten - es bleibt spannend.
Marco und ich haben auch noch über andere Deppen gelacht, die in Foren nachfragen, wie viel Kohle man so ungefähr für Benzin ausgeben müsste, wenn man von Perth nach Sydney fahren will und ob man etwas zu essen mitnehmen sollte. Nee würde ich nicht tun und Wasser würde ich auf keinen Fall mitnehmen, das ist viel zu schwer oder it weighs you down, wie Marco meint. Ich sag mal so, wer gerne mit einem Trockenpflaumen-Gesicht nach einer ca. 3900 km langen Fahrt in Sydney ankommen möchte - bitte.
Ich finde die Sendung richtig toll. Junge Leute, die sich was trauen, Mönsch, die sollten doch jede Menge andere junge Menschen motivieren mal aus ihrer comfort-zone raus zu kommen.
PS Benni lacht gerade, aber wohl eher aus Verlegenheit - armer Benni.