Meine Zeit hier ist abgelaufen, schneller als mir am Ende lieb war. Mittlerweile hätte ich nichts dagegen einfach hier hocken zu bleiben, Sprache, Natur und Familienbande genießen. Zum Friedhof werde ich wohl nicht mehr kommen, Jaime meinte, nö da sind ja nur lauter Tote. Dabei ist es ein wunderschöner parkähnlicher Friedhof…tja aber egal, was soll man da auch immer rumkriechen. Konzentriere ich mich auf die Lebenden.
Zwischendurch bin ich immer wieder aufgeregt, geht soweit, dass mir leicht übel wird. Geht mir aber immer so vor dem Marathonflug, ein schlechtes Omen ist es deshalb nicht. Soeben habe ich mich online eingecheckt und einen Fensterplatz ergattert. Aber auch nur bis nach Dubai, für den Rest des Fluges konnte ich mich noch nicht einchecken. Koffer sind zum Teil gepackt und wie immer zittere ich vor dem Abwiegen des Gepäcks am Schalter. Bislang hatte ich immer tüchtig Übergepäck, musste aber nie dafür zahlen.
Zum letzten Mal heute ne Pommes Mayo gegessen, langsam kommt mir das Zeug aus den Ohren raus. Dafür haben wir aber am Samstag lecker italienisch gefuttert und anschließend noch ordentlich einen gepichelt. Nicht so schlimm wie die deutsch-russischen Mitbürger, die stundenlang auf der Straße ihren Sieg über Holland gefeiert hatten. Ein Russe war so betrunken, dass es zwei erwachsene Kerle benötigt hatte, ihn ins Auto zu verfrachten. Vorher hatte er sich noch - klong - kräftig die Birne an einem fremden Auto auf dem Parkplatz gestoßen - was auch irgendwie lustig für uns war. Unterhaltsamer, als das besoffene hin- und her schwanken, das er uns vorher geboten hatte - zwei Schritte nach vorne, einen zur Seite, rechtes Bein schnell-langsam nach hinten setzen, damit man doch nicht den Boden küsst, Oberkörperschwanken zum Ausgleich, drei schnelle Trippelschritte nach vorne, schwankender Oberkörper, rechte Hand zieht Handy aus der Tasche, um das Ganze noch einige Male zu wiederholen.
Ich frage mich ja immer, wie ein Mensch so viel Alkohol intus haben kann und nicht im Koma liegt. Ich wäre schon fünf Mal tot gewesen, vertrage einfach nichts mehr.
Ich freue mich auf meine Männer, mein eigenes Bett, mein Auto, Computer und vor allem auf meinen Kleiderschrank. Ganz besonders freue ich mich aber darauf den Jaime endlich mal von den Hacken zu haben - hallelujah - ich glaube ich schließe mich für eine Woche in meinem Arbeitszimmer ein. Das Kind ist anstrengend.
Herzlichen Dank an meine Familie, besonders an meine Mutter, die mir erst den langen Aufenthalt hier ermöglicht hat, an John, der der großzügigste Mann ist mit dem ich jemals Tisch und Bett geteilt habe. Schwester und Schwager, die mich immer vom Flughafen abholen und wieder weg bringen. An Kerstin, die mir ein paar tolle Wintersocken gestrickt hat. Hab mich riesig darüber gefreut. Tante, Onkel und Cousine. Dank dir Andrea für die vielen schönen Ketten. An Gabi, mit der ich keinen regelmäßigen Kontakt habe, aber immer wenn ich hier bin wieder dort anknüpfen kann, wo wir aufgehört haben. Dafür bin ich dankbar - man verliert so viele Kontakte, wenn man geht.
So, ich hoffe ich komme hier trockenen Auges wech. Es ist ja nichts gegen Abschiedstränen zu sagen, aber wenn ich anfange, kann ich nicht wieder aufhören zu weinen und das gibt dann eine schrecklich unschöne rote Nase und dicke Augen ![]()
24 Juni, 2008 at 10:20 Uhr vormittags
Guten Flug, und wieder ein gutes Einleben in Melbourne, resp deinem “zuHause”
26 Juni, 2008 at 4:57 Uhr nachmittags
Home sweet home - völlig erschöpft angekommen. Bin überwältigt wie schön unser Haus ist - meins meins meins - erstaunlich wie man das empfindet, wenn man zu lange irgendwo Gast war. Der Alltag jedoch wird mich schneller wieder haben, als mir lieb ist.
29 Juni, 2008 at 4:45 Uhr vormittags
O Man, nun bissu wieder weg - schiss, mistschiss - öhm - schade wollte ich eigentlich sagen. Nee, wollte ich nicht. Scheiße wollte ich sagen, laut und für jeden hörbar. Männo. Nun hab ich dummes Weib durch irgendwas, was ich kann, unsere Promi-HFRevoluzzerin kennengelernt (so goldig und so “normal” - kannste dir nicht vorstellen) und wir quatschen immer noch (und wieder) über unsere eigenen Chancen.
Okay - dann in Australia … oder Germany in next days …
Sabine - schade findet
29 Juni, 2008 at 8:24 Uhr vormittags
“Normaler” als manche ihrer Kritikerinnen, die sich hinter ihrer Pixelanonymität verbergen - hatte damals in Hamburg das Vergnügen.
Drücke euch beiden die Daumen, wirst sehen es geht voran.
See you next time - ganz bestimmt