Englisch


finde ich hin und wieder in meinem Dashboard dieses Blogs vor. “Wie komme ich zur Straße…? (auf Englisch)” steht heute dort.

Aha - nicht aufgepasst im Unterricht, was? Zunächst einmal sei der Deutsche gewarnt. Nicht alle deutsch formulierten Sätze lassen sich so ins Englische übersetzen, dass man eine für den englischsprachigen Gefragten sinnvolle Frage stellt. Nicht empfehlenswert ist eine wortwörtliche Übersetzung “How do I come (Fortgeschrittene mögen evtl. “get” benutzen) to the street “fuckinghelliamlost”?

Meine Empfehlung: Excuse me, please. I’m looking for “wherethefdoifindstreet”.

Mögliche Antwort eines Australiers: “Sorry mate, haven’t got a clue.”

Und an dieser Stelle sei ausdrücklich erwähnt, dass man in einem Restaurant nie nicht sagt: “I become the steak and my wife the chicken salad without the chicken. And for the tomatoes she likes some cucumber.”

Wundern Sie sich nicht, wenn der Kellner Sie scharf ansieht und nur Bahnhof versteht. Warum Sie plötzlich zu einem Steak mutieren ist ihm nämlich völlig schleierhaft. Und wenn er nicht so höflich wäre, wie er ist, würde er Ihnen raten Ihre Frau demnächst zu Hause zu lassen. Wer einen Chicken Salat ohne Chicken will und für die Tomaten noch Gurken bestellt sollte lieber im eigenen Land Urlaub machen.

Aber der wahre Australier wird einfach nur sagen: “No worries, mate.”

You’ve got to luv them.

will ich nicht wirklich hören und sprechen schon gar nicht. Mir tut es unendlich gut, meine Muttersprache zu sprechen, auch wenn ich hin und wieder mal nach einem treffenden Ausdruck suchen muss. Macht nix, kennen meine Leute von mir und so schlimm, wie es am Anfang meiner Auswanderung einmal war, ist es schon lange nicht mehr. Kommt man sich ja auch deppenhaft vor, wenn man herum stammelt. Mit Jaime spreche ich einen Mischmasch aus Deutsch und Englisch, wobei er sich sehr anstrengt Deutsch zu sprechen. Wenn uns jemand im Geschäft reden hört, denkt man sich vermutlich, boh ey haben die eine Macke. Andererseits weiß ich natürlich nicht, was in den Köpfen fremder Menschen vor sich geht und da sag ich mal ganz salopp - geht mir auch am Arsch vorbei.

Wegen der Medikamenteneinnahme und auch weil er sich schwach fühlt, da er nicht ausreichend essen kann, habe ich Marco heute Nachmittag wo hingefahren. Als ich mit ihm dann wieder unsere Auffahrt, die wirklich nur etwas schräg nach oben führt, hochgefahren bin, sagte er zu John, der im Garten rumstand, ich würde wie eine Verrückte fahren. Viel zu schnell. Was gar nicht stimmt, weil die hier horrende Strafen für nur ein paar Stundenkilometern zuviel übers Limit fahren haben. Ich fahre gerne zügig. Manchmal auch zügiger, als andere Fahrer. Jedenfalls hatte John das sogleich bestätigt und hinzugefügt, er würde, wenn ich die Auffahrt hochfahre whiplash bekommen. Ein HWS-Schleudertrauma.

Nettes Wort - eine whip ist eine Peitsche und lash heißt u. a. um sich schlagen. Well, I could lash out when John drives, weil der kann es nicht ausstehen mal ein paar Minuten hinter einem Auto zu fahren, das minimal langsamer fährt als er. Dann changed er immer die lanes, dass mir ganz schwindelig wird und mein Fuß verzweifelt die Bremse  sucht. Und neuerdings kann ich es nicht unterlassen solche doofen Sachen zu rufen wie Watch it! Oder auch scharf die Luft einzusaugen und durch die Nase in kleinen Dampfwolken wieder auszustoßen. Das bringt ihn innerlich auf die Palme, dass kann ich aus dem Augenwinkel sehen - Careful John - Achtung - watch him! Slow down, pass auf!Ich kann mich nicht mehr zurückhalten. Diese zackige Fahrweise kann ich nur ab, wenn ich selbst fahre, weil dann umklammern meine Hände das Lenkrad und man wird nicht so durchs Auto geschleudert. Und jetzt, wo er das mit dem whiplash gesagt hat, habe ich schon mal gar keinen Grund mehr - in Zukunft wird er zusätzlich zu hören bekommen - did you look in the mirror? Hold more distance pleeease!

Careful John :-)

In den Tiefen meines Kleiderschranks habe ich eine schöne braune Sommerhose gefunden. Braun? Sommerfarbe? Ja – das geht! Die lag dort schon ein Jahr ungenutzt – jetzt passt sie wieder. Wie man das so macht, wenn man feststellen möchte, ob der Hintern einigermaßen in der Hose aussieht oder man sich doch lieber ein längeres Oberteil anziehen sollte, drehte ich mich vor dem Spiegel halb um. Und was sahen meine müden Augen? Den Rand der Unterhose, der sich an einer Arschbacke durch den Stoff abzeichnete. Wieso eigentlich nicht an der anderen Seite? Habe ich etwa einen asymmetrischen Popo? Blitzschnell habe ich überlegt, ob ich jetzt den nahtlosen Schloggi anziehen soll, der sich laut Werbung theoretisch für genau diese Fälle bestens eignet, sich in der Praxis aber kontinuierlich bei jedem Schritt dem Zentrum des Sitzfleisches nähert. Da ich das Mitführen eines Fremdkörpers im Hintern auf Dauer als unangenehm empfinde, ist auch ein String-Tanga keine wirkliche Alternative.  

Und was hat das Ganze jetzt mit Englisch zu tun und gibt es eine Lösung für mein Dilemma?

Hier bei uns gibt es einen Ausdruck, wofür wir Deutschen einen langen Satz sagen müssen. „Ach Mensch noch mal, dauernd zieht sich die Unterhose in den Hintern.“ Hier sagt man einfach nur: I’ve got a wedge (Betonung; wedgi). Also ich sag das nicht, weil ich nur ein begrenztes Bedürfnis verspüre meiner Familie mitzuteilen, wo sich genau meine Unterhose befindet. Der Jaime hat damit weniger Probleme. Eleganter klingt es trotzdem, oder? Ein „wedge“ ist ein Keil bzw. keilförmig, so wie ein Kuchenstück. Welche Lösung bietet sich denn nun für mich an? Hose inne Tonne kloppen? Brasilien Buttlift? Abnehmen? Zunehmen? Keine Unterwäsche tragen? Ich hab’s. Ich tue so, als ob das Problem nicht existieren würde – schließlich kann ich es ja nur sehen, wenn ich vor dem Spiegel stehe und mich umdrehe und was kümmert mich, welchen Anblick fremde Menschen haben?

Heute ist mir so richtig klar geworden, wie leid ich es bin mich permanent in einer Fremdsprache ausdrücken zu müssen. Erst recht, wenn ich müde bin. Bin nämlich gestern erst um 3 Uhr nachts ins Bett gegangen. Wenn man aus unserer Straße rausfährt, kommt man auf eine Durchgangstraße, links führt sie zum Highway, rechts Richtung Jaimes Schule. Genau dort wollten wir heute Nachmittag hin, er zum Fußball spielen und wir, um mit dem Hund zu laufen. An der Ecke unserer Straße ist kürzlich erst ein sehr großer Eukalyptusbaum von der Gemeinde abgesägt worden. Ich fuhr also aus unserer Straße raus und weil der Baum nun nicht mehr die Sicht versperrt, brauchte ich auch nicht unnötig abzubremsen. Jedenfalls meinte ich zu John, It’s really good jetzt, dass der Baum weg ist. Und wenn ich mich auch nicht mehr an den nächsten Satz erinnere, so weiß ich doch, dass ich ihn komplett auf Deutsch gesprochen habe. Da hat es mich wirklich unbewusst erwischt – diese Müdigkeit gepaart mit Überdruss – lässt mein Gehirn dann doch blitzschnell Wörter bilden, die ich Jahrzehnte lang gehört und gesprochen habe. 

Gerade eben hatte ich mich kurz hingelegt, aber wie das hier so ist, ist mal wieder irgendjemand am Rasen mähen. Wenn es nicht der Gärtner von gegenüber ist, ist es unser direkter Nachbar Bill. Nervig! Aber was noch viel nerviger ist, ist die Tatsache, dass John sich mal wieder nicht an unsere Absprache gehalten hat. Heute wollten wir nur leicht essen, ich habe einen Kartoffelsalat gemacht und ein Huhn ist im Backofen. Schaue ich gerade rein, hatte er schon wieder Kartoffeln mit dazu gelegt und war schon wieder dabei Möhren zu schnippeln, die auch noch mitgebacken werden sollen. Frage mich was das soll, da wir genau für morgen einen Braten plus Backkartoffeln plus Gemüse geplant haben. Der Mann und sein ewiges Gemüse essen regt mich auf. An Skorbut wird der nicht erkranken.

Hier ist noch der Text, den ich in meinem Überdruss über die Webcams in meiner Heimatstadt zum Ausdruck bringen musste. Erst hatte ich überlegt, ob ich den Text direkt an die Stadtverwaltung schicke, habe mich aber dann doch an die Tageszeitung gewand. Die haben den Text dann leider nicht als eigenständige Kolumne am Samstag abgedruckt, sondern einen Bericht drumherum geschrieben. Was ich ein bisschen blöd fand, aber immerhin muss man ja dankbar sein, wenn einem eine Zeitung einen Text abnimmt, auch wenn man keine Journalistin ist.