Heute die Rechnung für Grundstückssteuer und Müllabfuhr bekommen. Selbstverständlich sind die Kosten gestiegen. Dafür hat sich der Wert unseres Besitzes innerhalb von 8.5 Jahren verdoppelt. Davon haben wir allerdings nichts, so lange wir nicht verkaufen. Und wenn wir verkaufen würden, dürften wir tief in die Tasche greifen, um ein neues Haus unser zu nennen. Also nicht wirklich was gewonnen, oder?
Die Wasserrestriktionen in unserem Einzugsgebiet sind jetzt bei Stage 3a. Ungerade Hausnummern dürfen sonntags und mittwochs ihren Garten wässern, gerade Hausnummern samstags und dienstags. Wer ein automatisches Sprenklersystem installiert hat darf an diesen Tagen zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens wässern. Alle anderen müssen an ihren Tagen zwischen 6 und 8 Uhr morgens mit Sprühdüse am Schlauch oder mit Gießkanne gießen. Lebt in einem Haushalt wenigstens eine Person über 70 Jahre, darf an diesen Tagen zwischen 6 und 10 Uhr morgens gegossen werden. Die anderen müssen halt früher aufstehen. Macht ja nix, dafür sind sie auch noch jünger. Dabei heißt es doch immer, alte Leute schlafen schlecht, stehen früh auf und so…
Mittlerweile besteht unser Garten fast nur noch aus native Pflanzen, die wenig Wasser benötigen. Die paar anderen, die wir haben, müssen hart um ihr Überleben kämpfen - ich gieße nämlich meinen Garten überhaupt nicht mehr. Habe ich anfangs noch fleißig im Frühling Sommerblumen gepflanzt und Jahr für Jahr viel Geld dafür ausgegeben, beschränke ich mich jetzt auf drei größere Pflanzenkübel - fertig.
Autos dürfen schon lange nicht mehr zu Hause mit Trinkwasser gewaschen werden und auch das Rasensprengen ist verboten. Ich erinnere mich daran, dass ich in unserer Nachbarschaft immer wieder vor einigen Jahren alte Leute gesehen habe, die mitten im heißen Sommer mit einem Gartenschlauch in der Hand auf dem Rasen standen und gewässert haben. Beinahe hätte man das Wasser verdampfen sehen können. Habe damals schon gedacht, wie bekloppt, bei der Hitze geht er ohnehin ein und kommt im Herbst, Winter und Frühling grün wieder.
In der Zeitung habe ich heute gelesen, dass vier private Krankenhäuser in Melbourne Frauen die ohne Komplikationen ein Kind bekommen haben, jetzt die Option geben zwei Tage nach der Geburt in ein 5 Sterne-Hotel zu ziehen. Und zwar für den Rest ihres normalen Krankenhausaufenthaltes. Das hat den Vorteil, das Bettenkapazitäten im Krankenhaus frei werden. Wenn der Arzt, der Geburtshelfer und die Mutter einverstanden sind. Sie werden dann weiterhin von Hebammen betreut. Ich denke es kann sich hier nur um ein oder zwei Tage in Luxus handeln, da man hier eigentlich mittlerweile nach drei Tagen nach der Geburt “rausgeworfen” wird.
Ein Undertaker (Angestellter eines Bestatterinstituts) ist durch Diebstahl im Hause von Verstorbenen böse aufgefallen und darf sich nun vor Gericht verantworten. Und dann hat er noch irgendwas sexuelles im Leichenwagen mit sich gemacht, was die weibliche Beifahrerin gar nicht lustig fand. Hätte ich auch nicht, wenn der womöglich seinen Willy rausgeholt hat. Meine Herren - Leute gibts.
Polizisten in der City sind jetzt dazu übergegangen Volltrunkene per Taxi nach Hause chauffieren zu lassen. Die Taxifahrer finden das gar nicht lustig und wehren sich. Denn die meinen, die Leute sollten in die Zellen gesperrt werden. Das geht aber nicht, weil es gar nicht so ganz viele davon gibt und die, die vorhanden sind, sind besetzt. Von den Leuten, die sie neulich wegen Drogenhandels hops genommen haben.
Nur 8.9 % des Melbourner Wohnungsmarktes gilt als erschwinglich für Menschen mit geringerem Einkommen. Beim Rest geht eine große Portion des wöchentlichen Einkommens für Mietkosten drauf. Es sollen jetzt möglichst schnell ca. 90000 Grundstücke in fünf Gegenden als Baugebiet deklariert werden, die sich durch stetiges Wachstum auszeichnen. Dazu gehört auch die Gegend, in der wir wohnen. Da unser Ort ja nun wirklich seit Jahren wächst, frage ich mich, wann der Punkt erreicht ist, an dem wir keine ausreichenden Grünflächen mehr um uns haben.
Ich bin jetzt schon seit etlichen Monaten ziemlich vom stetig wachsenden Verkehrslärm angenervt. 100 m hinter uns ist der alte Highway, der auch in den Ort führt. Vielleicht 1-1.5 km dahinter befindet sich der Monash Freeway, der nach Melbourne oder zur anderen Seite hin nach New South Wales führt. Nachts hören wir Güterzüge - die Gleise führen ca. 1 km von uns entfernt am Ort entlang. Wenn kein Helikopter oder ein Kleinflugzeug über unser Grundstück fliegt, ist es ein leise brummender Jumbojet Richtung Flughafen oder Asien. Und wenn das alles nicht ist, kommt der Nachbarbengel um 23 Uhr mit seiner alten Gurke angeröhrt.
Nun könnte man fragen, warum wir nicht umziehen. Ganz einfach. Wenn wir in unserem Ort wohnen bleiben wollen und das wollen wir, weil er alles aber auch alles zu bieten hat, dann ist es ganz egal in welcher Himmelsrichtung wir uns niederlassen wollten - der Verkehrslärm ist entweder schon da oder wird bald folgen.